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[französisch, von griechisch politikḗ (téchne) »Kunst der Staatsverwaltung«], auf die Durchsetzung bestimmter Ziele besonders im staatlichen Bereich und auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens gerichtetes Verhalten von Individuen und Kollektiven. In der Politikwissenschaft wird – in inhaltlicher Anlehnung an die Dreifachgliederung des Politikbegriffs im Englischen – zwischen Form (englisch »polity«), Prozess (englisch »politics«) und Inhalt (englisch »policy«) von Politik unterschieden.

Auf dieser Grundlage wird Politik definiert als die Gesamtheit der die öffentlichen Belange betreffenden institutionellen, prozessualen und entscheidungsinhaltlichen Dimensionen des »Strebens nach Macht oder nach Beeinflussung der Machtverteilung« (M. Weber).

Aus einer jeweiligen Interessenbestimmtheit ergibt sich der Kampfcharakter der Politik. Ihre Legitimation findet Politik in einem demokratischen System letztlich in der Zustimmung (der Mehrheit) der Betroffenen, in totalitären Systemen wird sie aus der herrschenden Ideologie abgeleitet.

Nach dem Gegenstand oder Bereich des politischen Handelns unterscheidet man z. B. Außen-, Wirtschafts-, Gesundheitspolitik, nach der jeweiligen Ebene z. B. Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, nach dem Handlungs- und Interessenträger z. B. Partei-, Verbandspolitik, nach den Grundsätzen des politischen Handelns z. B. Macht-, Interessen-, Hegemonial-, Friedens-, Realpolitik. Zu den politischen Systemen Staat.

Von der Antike (Platon, Aristoteles) über das Mittelalter (Thomas von Aquin, Scholastik) bis ins 18. Jahrhundert war die Politik der praktischen Philosophie zugeordnet. In Antike und Mittelalter wurde sie als Lehre von der rechten Ordnung des Gemeinwesens verstanden. Dagegen sind bei N. Machiavelli Erwerb, Gebrauch und Verlust von Macht durch den Fürsten Hauptinhalt der Politik; von hier aus entwickelte sich die Lehre der Staatsräson, nach der Machtgewinn Ziel und Hauptinhalt der Politik bildet.

Die moderne Naturrechtslehre (S. von Pufendorf, J. Locke) begreift Politik als auf diesseitige Ziele ausgerichtetes Handeln zum Wohl des Gemeinwesens. Die Lehre von der Staatsräson setzte sich stärker im kontinentalen Europa durch, das seitdem das politische Handeln vornehmlich dem Staat und seinen Organen zuordnete. Einflussreich für das Politikverständnis des 20. Jahrhunderts wurde M. Weber, der unter Politik v. a. den Kampf um die Macht verstand.

Diese Ansätze wurden radikalisiert von C. Schmitt, der das Freund-Feind-Verhältnis als zentral für die Politik begriff. Der Marxismus bestimmte Politik wesentlich als Klassenkampf. Neuere Strömungen wenden sich gegen die Einengung des Politischen auf seine Machtstruktur und verweisen auf die gesellschaftliche Ordnung als Wirkungsbereich politischen und sozialen Handelns.

In den angelsächsischen Ländern wurde die Bindung an die Forderungen der praktischen Philosophie nie völlig aufgegeben; der Staat ist demnach das Instrumentarium, das den Interessen der Gesellschaft dienlich zu machen ist.

Sekundärliteratur: K. Rohe: Politik. Begriffe u. Wirklichkeiten (21994); Lexikon der Politik, hg. v. D. Nohlen, 7 Bde. (Neuausgabe 1999); K. v. Beyme: Die politischen Theorien der Gegenwart (82000); Moderne Politik. Politikverständnisse im 20. Jahrhundert, hg. v. H. J. Lietzmann (2001); Theorien internationaler Politik, bearbeitet v. U. Lehmkuhl (32001); Manfred G. Schmidt: Wörterbuch zur Politik (22004).

http://lexikon.meyers.de/meyers/Politik


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